by Robert Troidl
Das erste Mai-Wochenende rückt unaufhaltsam näher. Ausnahmslos jeder der Wasserspringer bekommt ein Leuchten in den Augen, wenn deswegen der Kalender auf den Tisch gelegt wird. Anlass für ein fast ebenbürtiges Augenleuchten war das vergangene Wochenende am 6./7. März 2010. Der letzte 12 Stunden Probelauf stand am Samstagabend ab 17:30 Uhr auf dem Programm. Viel routinierter gingen wir an dieses Testtraining heran. Der Schein war aber trügerisch. Das 2. Team kannte diesen Ausnahmezustand bisher nur von unseren Erzählungen. Im Vorfeld gab es natürlich viele Fragen und so machte sich wiederum ein Gefühl in der Schwimmhalle breit, welche durchaus in die Kategorie Aufregung eingeordnet werden könnte. Um 18 Uhr fiel der Startschuss und die Springer der Gruppe 1 eröffneten das Spektakel. Die ersten Sprünge erschienen auf dem Bildschirm und der Buzzer sollte nun für die nächsten 12 Stunden alle 20 Sekunden gedrückt werden. Unter neugierigen Augen der Badegäste feuerten wir die Teams an.
Reservisten aus längst vergangenen Tagen wurden für diesen Abend geladen. Und so fand auch das Ersatzteam in Gruppe 2 ab 20 Uhr ein neues Gefühl. Das Gefühl das entsteht wenn man ununterbrochen einen Kopfsprung vom Dreimeterbrett springt, um ziemlich zügig wieder aus dem Wasser zu kommen und die Leiter auf besagte Höhe zu erklimmen. Unaufhaltsam sprangen 10 – 45jährige die alle nur ein Ziel hatten. Die 3005 gezählten Sprünge vom letzten Dauertest sollten, nein mussten überboten werden.
Ich selbst reihte mich in Team 3 ein und gab mir die Ehre, mich 2 Stunden an den Versen meiner Vereinskameraden zu heften um im Rundlaufprinzip 900 weitere Sprünge kopfwärts abzuleisten. Die Motivation erreichte ihren Höhepunkt als unser Reinhard, trotz der schmerzender Bandscheiben und deren Protest gegen jegliche Art auf Bewegung, seinen Tribut mit über 3 Stunden ableistete.
Ruhe kehrte im Südstadtbad ein und die Lichter im Bademeisterbüro erloschen. In den anderen Becken war die Wasseroberfläche spiegelglatt. Das Rauschen der Rutsche verstummte. Es war nur noch das typische Platschen der Kopfsprünge zu hören das sich monoton wie ein Echo in der Schwimmhalle brach.
2 Uhr: Ich hatte den schweren Gang unser Team 2 zu wecken. Die kleine Milena hatte sich mit den anderen Springern in ein dunkleres Eck verzogen und war dort auf einem Liegestuhl eingeschlafen. Mit den Worten „Milena, komm´ aufstehen, du bist wieder dran.“ weckte ich die Kleine.
Auch Eva versuchte ich zu wecken um sie wieder auf das Brett und somit ins Wasser zu bitten. Das ist wohl die härteste Schicht. 2 bis 4 Uhr, alles ist dunkel und alle Zuschauer dösen vor sich hin. Die Fotos zeigen deutlich die Anstrengung in den Gesichtern.
Sie zeigen aber auch ein sehr großes Maß an Teamgeist und eine Begeisterung für diesen Rekord. Endlich 4 Uhr und die letzte Schicht trat ihren Dienst an. Detlef und Roger waren übrig. Sie hielten die Fahne hoch. Ein Sprung folgte dem anderen. Detlef versuchte mit attraktiven 1 1/2 Fachen Salti die stupide Springerei etwas aufzulockern. Von Müdigkeit getrieben packten einige vom Team ihre Taschen und traten den Nachhauseweg an. Detlef und Roger sprangen weiter. Als kurz nach 5 Uhr der Putztrupp in die Schwimmhalle trat, machte sich ein Kehrausgefühl breit. Detlef und Roger sprangen weiter. Die 3005 Sprünge von unserenletzten Testlauf im Dezember waren geschlagen. Doch, Detlef und Roger sprangen weiter. Auch als Eva den Beiden gut zuredete und anhand der Sprungzahl die inzwischen 3296 zählte, dem ein Ende bereiten wollte, sprangen Detlef und Roger weiter.
Um 5:58 Uhr kletterten die zwei Wasserspringer ein aller letztes Mal auf den 3 Meter Sprungturm und hechteten zum finalen Kopfsprung. Sonntagmorgen, 6.00 Uhr und auf dem Bildschirm konnte man 3345 durchgeführte Kopfsprünge zählen. Respekt.
Die letzten Kräfte mobilisierten wir um unsere Rekordspuren zu beseitigen.
Alles war sauber und die Badegäste konnten um 8 Uhr zum schwimmen kommen. Niemand würde merken, dass wieder einmal großes im Südstadtbad vollbracht wurde.
Wir freuen uns auf das Event am 1. Maiwochenende.
…. Und sind trotzdem aufgeregt.
Bis dahin
Robert

