
(Quelle und ©: NÜRNBERGER NACHRICHTEN - Foto: Michael Matejka)
Samstag 12.12.2009, 18 Uhr, süd.stadt.bad:
10 Springer aus dem Rekordteam unserer Wasserspringerabteilung fühlen sich Fit für die kommende Nacht. 12 Stunden lang werden sie sich in drei Teams kopfüber ins Wasser stürzen.

(Bilder: Robert Troidl)
18:30 Uhr
3 Presseteams (NN, NZ und AZ) fotografieren was das Zeug hält. (Siehe Artikel aus der NN vom 14.12.2009 -Seite 10-)
Die ersten 100 Sprünge sind geschafft.
20:00 Uhr
Die Presse ist weg es kehrt Ruhe ein. Kerstin stellt den Kaffeeautomaten auf und packt Kuchen und andere gesunde Köstlichkeiten aus. Die Nacht kann kommen. Der Sprungzähler zeigt 730 Sprünge - dieses Tempo werden wir wohl nicht halten können.

(Bilder: Robert Troidl)
22:00 Uhr
Die 3 Springer des dritten Team beginnen ihren ersten Zweistundenblock. Unterstützt werden Sie von Gabriel aus dem Ersatzteam. Alle sprühen vor feuriger Motivation, was Patrick auch jedes Mal nach dem Auftauchen mit einer unterstützende Kämpferfaust ins Bad plärrt "ICH BIN MOTIVIERT!". Der Sprungzähler zeigt 1230 Sprünge.

(Bilder: Robert Troidl)
00:00 Uhr - Halbzeit
Routine hat sich eingestellt, Team 1 beginnt mit seinem 2.Block. Monoton formen jede Minute die Hände eines Springers die Wasseroberfläche zu einem Eintauchtrichter.

(Bilder: Robert Troidl)
Jetzt wird die Euphorie zum Job - und jeder tut ihn. Auch die Kids zeigen noch keinerlei Müdigkeit. Der Sprungzähler zeigt 1790 Sprünge - die 3000 scheinen locker erreichbar.
02:00 Uhr
Die Kids werden Müde. Nur der 10 Jährige Justin - Kerstins Sohn -, der Team 1 bis ca. 1 Uhr zur großen Überraschung seiner Mutter unermüdlich unterstützt hat, liegt cool auf seiner Liege und zockt auf seinem Gameboy. Der Stundenschnitt sinkt - das ist normal und absolut unproblematisch. Gabriel und Paul-Louis laufen auf der Suche nach einem stillen Plätzchen rastlos durchs Bad um schließlich nicht fündig zu werden.
Der Sprungzähler zeigt 2170 Sprünge.

(Bilder: Robert Troidl)
03:30 Uhr
Da einige der Jugendlichen nach der ersten Stunde Ihres zweiten Blocks richtig Platt sind, ziehen wir nach 1 1/2 Stunden das Vieruhrteam vor, planen dieses auch nur 90 Minuten springen zu lassen um dann die letzte Stunde mit den Kräftigsten der alten Hasen zu absolvieren. Der Sprungzähler zeigt 2495 Sprünge.
04:30 Uhr
Paul Louis und Gabriel, der gesundheitlich sowieso leicht angeschlagen war, sind zu kaputt um nochmals aufs Brett zu klettern. Patrick plagen schmerzen im Handgelenk, nach 5 Sprüngen ist auch für ihn Schluss.
Die 3000 Sprünge scheinen nun nicht mehr machbar zu sein.
Plötzlich legt der 10 Jährige Justin seinen mittlerweile heißgelaufenen Gameboy zur Seite, läuft an seiner schlafenden Mutter vorbei zum Sprungzähler und ruft zu mir auf den Dreier: "Schaffen wir die 3000?".
"Ich glaube nicht Justin, ab 5 Uhr wird wohl nur noch einer springen und der kann unmöglich die 3000 erreichen", antworte ich. "Und wenn ich helfe?": höre ich ihn unmissverständlich lächelnd fragen. "Dann verspreche ich Dir: JA" sage ich nach dem Auftauchen noch immer ungläubig zu ihm und beobachte wie er tatsächlich voller Tatendrang um 4:35 in seiner Badehose den Weg hoch auf den Dreier antritt - und zwar schneller als ich die letzten drei Stunden jemand da rauf klettern sah.
Platsch - 2826: Justin ist im Wasser - fröhlich, völlig jammerfrei und erwachsen.

(Bilder: Robert Troidl)
05:00 Uhr
Springen, raus schwimmen, los rennen, rauf stürmen, das Brett entlang rennen, springen. Ich beobachte Justin.
Eigentlich sollte auch Anita jetzt Ihren Block beenden. Ihr Gesicht gleicht bereits einem merklich aufgegangenem Erdbeerkuchen (was sie selbstverständlich noch attraktiver macht), ihr Blick ist wohl auf die Aufgabe gerichtet; erkennbar ist er jedenfalls nicht mehr. "Anita, hast Du nichts besseres vor?": frage ich. Ein "MM" glaube ich noch zu hören, ehe sie wieder ins Wasser fällt. Der Sprungzähler zeigt 2905 Sprünge.
05:15 Uhr
"MAAMAAA, komm hilf uns": Justins Stimme schallt regelrecht durchs süd.stadt.bad. Mama blinzelt. Robert
sehe ich unmerklich wach nur in Badehose bekleidet die Leiter zum Dreier besiegen. Kerstin findet nichts mehr komisch und lacht während Sie Ihren Jogginganzug auszieht - Anita springt, bereits schlafend, immer noch. Justin hat es geschafft: plötzlich arbeiten 5 Springer an einer Zahl.

(Bilder: Robert Troidl)
05:34 Uhr
Der Sprungzähler zeigt 2999 Sprünge. Justin setzt zur 3000 an. Vor lauter Freude springt er mit den Füßen zuerst ins Wasser. "Komm, ist nur Training, der zählt": freue ich mich. "Nöö, das war kein Köpfer": beschließt er bestimmend und ist, ganz Teamplayer, kein bisschen weniger fröhlich als die hübsche, gesichtsverlorene Anita hinter ihm auftaucht und schlafend das dreitausendste Mal den Buzzer drückt.
"Jeder noch Einen - dann machen wir Schluss für Heute": beschließen wir.

(Bilder: Robert Troidl)
05:40 Uhr
Der Sprungzähler zeigt 3005 Sprünge und es ist noch mehr als ein halber Kuchen übrig.
Alle f r e u e n sich auf die 48 Stunden im Mai.

Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben! Deine Beschreibung ist ebenfalls sehr einfühlsam und jeder der nicht dabei war kann sich nun vorstellen, wie strapaziös dieser Weltrekordversuch werden kann.
Ich beglückwünsche Euch alle zu dem Erfolg! Das war eine tolle Teamleistung! Insbesondere muss ich Justin ein Kompliment machen, dessen Energieleistung mich förmlich aus den Schuhen haute. Sensationell!
Viele Grüße
Jörg